Stefan Marx – I wait here for you forever as long as it takes, 2025/2026

Stefan Marx

* 1979 in Schwalmstadt
Lebt und arbeitet in Berlin

I wait here for you forever as long as it takes, 2025/2026

Durchgefärbte LKW-Plane, weißer Lack
420 × 594 cm

Leihgabe des Künstlers

STEFAN MARX – I WAIT HERE FOR YOU FOREVER AS LONG AS IT TAKES, 2025/2026
I wait here for you forever as long as it takes, 2025/2026
© Stefan Marx; Foto: David von Becker

Stefan Marx’ fast unbeholfen ausgemalte Schriftbilder, oft nur in Schwarz-Weiß und in dieser typischen beuligen, wackeligen Schrift, mit ihren aufgeschnappten oder hingeworfenen Sätzen, Satzfetzen und Songzitaten sind eher Bilder als Schrift – eigentlich mehr Form als Inhalt. Sie springen dem Betrachtenden regelrecht ins Auge, lösen Gefühle, Erinnerungen, Bilder aus. Eigentlich funktionieren sie wie Mikrogeschichten, die man sich selbst weitererzählt. „I wait here for you forever as long as it takes“, das kann jemand in einem Liebesbrief schreiben, das kann man zu seinem besten Freund sagen, der wegzieht, zu Menschen, die gezwungen sind, ein Land zu verlassen, Eltern, die ihren Kindern Mut zusprechen: Du schaffst das, ich bin da. Es könnte sich aber auch um Ironie handeln: Ja, bummele nur weiter rum, wir haben ja ewig Zeit!

Genau diese Offenheit, dieses vermeintlich Zufällige das eine vielleicht gar nicht so willkürliche Kette von Assoziationen, Bildern und Emotionen freisetzt, will Marx in seiner Arbeit erreichen – die Kunst, Design, Poesie sein kann oder alles zugleich. Marx studierte in Hamburg Typografie, Kommunikationstheorie und Kulturphilosophie, fing mit dem Design von Plattencovern, Skateboards, Fanzines an, seine Praxis wurde von Skater- und Clubkultur, der Hamburger Szene beeinflusst. Deutlich erkennt man auch die Verbeugung vor Keith Haring und der frühen New Yorker Graffiti-Art, vor dem Humor von Kippenberger oder den 1990er-Bands der „Hamburger Schule“.

Marx’ Werke, die auf Zeichnungen basieren, die oft spontan unterwegs entstehen – am Flughafen, im Zug oder im Café –, wurden immer erfolgreicher. Er entwickelte Designs für verschiedene Unternehmen, internationale Modelabels und wurde in den beginnenden 2000er-Jahren auch von der Kunstwelt entdeckt. Neben seinen Arbeiten auf Papier und Leinwand beschäftigt sich Marx intensiv mit der Kultur der Zines, kleinen, nichtkommerziellen Magazinformaten, veröffentlicht selbst zahlreiche Künstlerbücher und arbeitet mit unabhängigen Verlagen und Galerien zusammen.

Seine Schriftbilder wirken wie tragikomische, philosophische Kommentare, haben aber auch eine gewisse konzeptionelle Kühle. An dieser Bubble-Handschrift hat Marx tatsächlich jahrelang gefeilt. Eine abgewandelte Variante seiner Handschrift ist als Font „Stefan“ zum kommerziellen Download bei dem Label Dinamo erhältlich. Marx, der auch mit Lars Eidinger 2022 für eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle kooperierte, stellt immer wieder die Konventionen der Kunst, seine Rolle als Künstler, die Idee der originären künstlerischen Handschrift konzeptionell in Frage. Doch dabei ist er ein Künstler-Poet, vielleicht auch ein Romantiker, der beiläufiger, gefundener Sprache, Worten, deren alltägliche Schönheit man übersieht, eine Bühne im öffentlichen Raum bereitet, sie zu Textkunst und gleichermaßen zum Bild macht.