Bettina Allamoda – Outdoor Wrap (Slim)/Cherry Blossom, 2026

Bettina Allamoda

* 1964 in Chicago
Lebt und arbeitet in Berlin

Outdoor Wrap (Slim)/Cherry Blossom, 2026

Großpailletten-Spandex-­Netzstoff, Metall
385 × 650 × 1140 cm

Leihgabe der Künstlerin

Foto: David von Becker

Outdoor Wrap (Slim)/Cherry Blossom – das hört sich an wie ein High-Tech-Produkt für Hiker oder Bergsteiger, ein Zelt, eine Plane oder eine Schutzfolie vielleicht. Und könnte das auch Modedesign sein, etwas aus dem Prêt-à-Porter-Segment, ein dünn gespannter Stoff, der einen Frauenkörper umwickelt? Bei der Arbeit der deutsch-amerikanischen Künstlerin Bettina Allamoda treffen viele Verbindungen zu. Mit ihrer Skulptur greift sie zwei frühere Versionen auf, die in den letzten Jahren für Ausstellungen in Rom und im Skulpturenpark von Schloss Schwante entstanden sind und passt sie auf die ortsspezifische Situation an. Umgeben von japanischen Kirschbäumen, steht ein azurblau lackiertes Metallgerüst, das mit einer einzigen, 25 Metern langen Bahn aus spiegelnd-irisierendem, mit Pailletten besetzten Stretch-Netzstoff umspannt und vertäut ist – ein temporäres, fragiles, aber auch standhaftes Gebilde, das Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt ist.

Die gespannten, glitzernden Segel oder Schleppen könnten eine dekonstruierte Zeltstruktur, ein abstraktes Segelboot oder eine Art Showkostüm andeuten, in dem sich der Glamour von Hollywood-Revuen, Sixties-Kostümfilmen, Opern, glitzernden türkischen Hochzeitskleidern oder Kindheitsfantasien erahnen lässt. Doch hat die Konstruktion auch etwas Industrielles, vermittelt das Gefühl von Kulisse. Tatsächlich entdeckte Allamoda die Metall-Gerüstteile für ihre Arbeit während eines Stipendiums in der Villa Massimo in Rom im Filmstudiokomplex Cinecittà – Drehort für Fellinis Filme oder Hollywood-Kostümschinken wie Cleopatra, Ben Hur oder Quo Vadis. Die Metall-Baugerüste, die die Skulptur wie eine Art Skelett stützen, dienten als Halterungen von Kulissen. Der halbdurchsichtige Paillettenstoff nimmt die Farben und Lichtreflexe der Umgebung auf und spiegelt Bewegung, das Wetter, das Wasser des Rheins wie ein funkelndes Kleid wider. Dabei verändern die riesigen Pailletten bei jedem Lufthauch, jeder Änderung des Lichts die Farbe, schimmern in Aqua, Violett, Gold oder den zarten Rosatönen der Kirschblüten.

Das Kulissenhafte und Ungreifbare, der Kontrast zwischen metallischer Härte und Transparenz in Outdoor Wrap (Slim)/ Cherry Blossom, lenken den Blick auch ganz auf das Material und die Form. Der Künstlerin geht es nicht darum, das Material kunstvoll in eine bestimmte Form zu bringen, um eine Geschichte zu erzählen, ein Bild oder eine Erinnerung zu schaffen. Sie pusht es bildhauerisch ans Limit, dehnt es oder lässt es locker herunterhängen, damit wir die Spannung, das Volumen, das Geometrische, das Glitzernde, Fragile spüren. Allamoda bezieht sich in ihrem Werk auch auf das kühle visuelle Vokabular der Minimal Art und Post-Minimal Art der 1970er-Jahre. Diese Kunst stellte die Form nicht einfach in den Dienst eines Inhalts, sondern reflektierte die Beziehungen zwischen Betrachtenden, Objekt und Umgebung. Allamodas Skulptur will nichts darstellen, sondern sich als unmittelbare, wortlose Erfahrung vermitteln.

Gleichzeitig geht es um Hüllen, Verkleidungen, Schutz, Verletzlichkeit, Durchlässigkeit – um Erfahrungen, die auch politisch, sozial, alltäglich oder intim sein können. Allamoda arbeitet dabei fast immer mit industriellem, funktionalem, vorgefundenem Material: Stahlbarrieren aus der Veranstaltungs-, Sicherheits- oder Bautechnik, mit Deko- oder Baumaterial, Restposten oder High-Tech-Stoffen, die militärisch oder auch zu Fetischzwecken eingesetzt werden.

Dabei vermittelt Outdoor Wrap (Slim)/Cherry Blossom das Gefühl von Vergänglichkeit, von vergangenen kollektiven Träumen: Die großen Tage des Cinecittà-Glamours sind vorbei, die Messe ist abgebaut, ein Badeanzug wird angeschwemmt, ein glitzerndes Banner weht im Wind.