Albrecht Genin – Verbindung, 2002

ALBRECHT GENIN – VERBINDUNG, 2002
Verbindung, 2002
© Albrecht Genin; Foto: David von Becker

Albrecht Genin

* 1945 in Oldenburg
† 2013
Lebte und arbeitete in Berlin und Thailand

Verbindung, 2002

Cortenstahl
148 × 180 × 15 cm

Leihgabe aus Privatbesitz

Albrecht Genin war ein Reisender, der zwischen Ländern, Zeiten und Kulturen pendelte – zwischen Christentum und Buddhismus, akademischer und autodidaktischer Kunstpraxis. In den frühen 1970er-Jahren war er an verschiedenen deutschen Kunsthochschulen eingeschrieben, begann jedoch bereits während des Studiums, den Orient zu bereisen. Immer wieder kehrte er zurück, um in seinen Ateliers in Düsseldorf und Kassel zu arbeiten. Er brach das Studium ab, übernahm für ein Jahr einen Lehrauftrag in Kassel und lebte anschließend in Portugal und Spanien. Ab 1988 bis zu seinem Tod 2013 pendelte er zwischen Berlin und Thailand. Dieses globale Nomadentum, der Hunger nach anderen Kulturen und Kunstformen, die Beschäftigung mit Spiritualität, Religion, Geschichte und Philosophie und das Ausbrechen aus der westlichen Konsumgesellschaft sind häufig verbindende Elemente in der Kunst und im Lebenslauf der Künstler*innen der Nachkriegsgeneration.

Wie viele seiner Zeitgenossen führt Genin die Abstraktionen des Tachismus oder des Informel und den Expressionismus weiter. Im Zentrum seines Gesamtwerks stehen seine „Malbücher“: Bibelübermalungen, Übermalungen von römischen Messbuchseiten und tagebuchartige Reisebücher, die er mit Schrift und archaischen, manchmal bis zur Kalligrafie reduzierten Figuren überzieht. Seine Malereien und Zeichnungen wirken choreografisch, erinnern an Schattenspiele und an die Illustration von Mythen und Volkssagen. Sie verweisen sowohl auf die Kunst der Nachkriegszeit als auch auf den Neo-Expressionismus der „Neuen Wilden“ und die Mystik der italienischen Transavanguardia der 1970er- und 1980er-Jahre.

In seinen Übermalungen und Überzeichnungen betont Genin das Objekthafte der Bibeln, Atlanten und Notenblätter, die er als Material verwendet. Umgekehrt verleiht er seinen Zeichnungen in den Stahlskulpturen, wie etwa in Verbindung, eine dreidimensionale Qualität, die nicht körperlich, sondern wie eine zweidimensionale Zeichnung im Raum steht. Dabei wird auch seine tiefe Spiritualität deutlich: Die beiden embryonalen Körper, die sich in einer Form vereinen, könnten eine Liebesverbindung oder die Kräfte von Yin und Yang symbolisieren. Ebenso könnte dies aber auch ein inneres Zwiegespräch mit dem eigenen Selbst oder mit Gott sein.