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Thomas Stimm

*1948 in Wien, Österreich
Lebt und arbeitet in Wien, Österreich

Schierling, 2012



„Ich denke, die Natur hat für die Kunst eine ähnliche Bedeutung wie die Liebe in der Musik. Es ist ein ungeheuer variiertes Feld von Farben und Formen, und wenn man Wert auf das Sehen legt, dann wird man die Natur lieben.“

Thomas Stimm gehört wie beispielsweise auch Stephan Balkenhol, dessen „Krone“ 2011 auf der zweiten Triennale im Park am Mäuseturm ausgestellt war, einer Generation von Künstlern an, die sich in den 1970er- und 1980er-Jahren wieder der figurativen Plastik zuwandten, nachdem in der Nachkriegszeit Abstraktion und Minimalismus vorgeherrscht hatten. Stimm begann sein skulpturales Werk mit kleinen Tonarbeiten, die das alltägliche Leben abbildeten. Seit den 1990er-Jahren widmet er sich vor allem der übergroßen und zugleich farbintensiven Darstellung von Pflanzen, womit er sein künstlerisches Spiel mit Größenverhältnissen konsequent fortsetzt. Der Künstler versteht diese Skulpturen als „Stelen“, als hohe, freistehende Pfeiler, die in einen räumlichen Dialog mit der korrespondierenden Körperhaltung des ihnen gegenüberstehenden Betrachters treten.

In Kombination mit der Veränderung der ursprünglichen Größe weisen die glänzende Oberfläche und die leuchtenden Farben den Betrachter auf die Künstlichkeit der Darstellung hin. Die Titel seiner Kunstwerke hält Stimm mit der reinen Nennung des Pflanzennamens zugleich nüchtern und minimalistisch.

Der auf der diesjährigen Triennale ausgestellte „Schierling“ zeigt eines der giftigsten Doldengewächse, mit dem Sokrates wie viele weitere Verurteilte im Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. hingerichtet wurden: Die Verurteilten mussten den tödlichen Trank aus dem "Schierlingsbecher" zu sich nehmen. Der Künstler widmet sich aber auch der Darstellung weitaus harmloserer Pflanzen, wie dem Löwenzahn oder der Margerite. Indem er den – in Relation zu Bäumen – kleinen Gewächsen, also dem eher Unscheinbaren in der Natur, einen visuellen und gedanklichen Raum gibt, ruft er den Betrachter dazu auf, aufmerksam mit seiner Umgebung zu sein und gerade auch achtsam und respektvoll mit der Gesamtheit der Natur umzugehen. Wer würde schon den Schierling erkennen und wissen, wie giftig dieser ist?

Das künstlerische Prinzip der Übersetzung eines Alltagsobjektes in ein anderes Material und dessen gleichzeitige Monumentalisierung verbinden Stimm vor allem mit dem amerikanischen Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg, der in diesem Kontext von der „Erschaffung einer doppelten Identität des Werkes, sowohl als einfaches Ding als auch als Kunst“ sprach.

Stimms Skulpturen sind bereits oft im öffentlichen Raum aufgestellt worden, beispielsweise 2008 vor dem Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien. Gerade auf grauen Plätzen werden sie zu Gegenentwürfen des von Beton, Asphalt und Stein dominierten Stadtraumes und erscheinen in ihrer prägnanten Gestalt als eindrückliche Zeichen der Kraft und Schönheit der Natur.

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